Poker befindet sich in Deutschland auch weiterhin im Kreuzfeuer der Kritik. Trotz des weltweiten Booms, der Erfolge der WSOP (World Series of Poker) und der internationalen Fernsehübertragungen der Pokerturniere vertritt Deutschland eine zunehmend konservative Haltung gegenüber Poker. Berichten der Welt Online zufolge soll das Bundesland Rheinland-Pfalz nun als erstes deutsches Bundesland das öffentliche Pokern außerhalb der konzessionierten Spielhallen verboten haben.

Der Innenminister Karl Peter Bruch (SPD) rechtfertigte in einem Interview mit Welt Online das neue Gesetz. Er verwies insbesondere auf die Gefahr der Spielsucht und führte auch Beispiele aus seinem eigenen Umfeld an, wobei spielsüchtige Personen ihre gesamte Familie in eine finanzielle Misere mit rein gezogen hätten. Bruch sieht die Einbindung der Familie als gefährlichsten Aspekt der Spielsucht.

Weiterhin betont Bruch, dass der Poker Boom in Deutschland vor Allem durch gezielte Werbung privater Fernsehsender fokussiert wird. Die Werbung, die teilweise auch durch Shows stattfinden würde, spräche in erster Linie Jugendliche an. Bruch ist der Meinung, dass Poker früher vorwiegend im kriminellen Milieu ansässig war und durch die Fernsehwerbung den Einzug in alle Gesellschaftsschichten gefunden habe. Bruch kritisiert außerdem, dass Boris Becker, nach wie vor das Aushängeschild der deutschen Tennis Lobby, für online Poker Werbung sein Gesicht zur Verfügung stellt und auf diese Weise maßgeblich zur Pokerpopularität beitrage.

Bei Poker handelt es sich im Gegensatz zu Roulette nicht um ein Glücksspiel, sondern vielmehr um ein Skill-Game, das ein bestimmtes Maß an Geschicklichkeit und Können erfordert. Dieser Ansatz ist international anerkannt, wodurch Poker auch bislang anders als die reinen Glücksspiele behandelt wurde. Bruch möchte Poker dennoch auf ein reines Glücksspiel reduzieren, um seine Interessen durchzusetzen. Er begründet seine Urteilskompetenz mit seiner ehemaligen Tätigkeit als Polizist.

Auch der Welt Online schien dies ins Auge gesprungen zu sein, daher zielten die weiteren Fragestellungen besonders auf das staatliche Glücksspielmonopol ab. Bruchs Argumentation, dass die Beschränkung von Poker auf Spielbanken dem Jugendschutz und der Suchtprävention dienen würden, ist nicht haltbar. Auch bei öffentlichen Pokerveranstaltungen ist eine Altersgrenze selbstverständlich. Die Lokalität einer Spielbank trägt nicht automatisch zur Aufklärung und Prävention bei, wie Bruch es schön zu reden versucht. Man muss sich an dieser Stelle ernsthaft fragen, ob denn in staatlichen Spielbanken Sozialarbeiter engagiert werden, die sich der potentiell suchtgefährdeten Spieler dort annehmen. Oder ist es nicht vielmehr der Fall, dass, wie Welt Online anmerkte, die Staatseinnahmen aus dem staatlich kontrollierten Glücksspiel geschützt werden sollen?

Bruch wehrt diesen Vorwurf ab, indem er anführt, dass die staatlichen Einnahmen aus Glücksspiel für nützliche Ausgaben verwendet würden und nicht in den Staatshaushalt mit einfließen. So würden beispielsweise Einnahmen aus dem staatlichen Wettmonopol für ganz gezielte Maßnahmen im Bereich der Jugendarbeit und des Sports eingesetzt. Erfahrungen aus anderen EU Mitgliedsstaaten zeigen jedoch, wie effektiv Sportvereine mit den Einnahmen von privaten Sponsoren aus der Spiel- und Wettindustrie arbeiten können, was den deutschen Sportvereinen vorenthalten wird (siehe das Verbot der bwin Trikotwerbung bei dem Bundesligisten VfB Stuttgart).

Es bleibt abzuwarten, wie dieses Gesetz in dem deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz umgesetzt und welches Bundesland sich der Entscheidung von Rheinland-Pfalz anschließen wird.