Bei der europäischen Glücksspiel Sitzung 2008 in London letzter Woche wurden gegensätzliche Haltungen zum kontroversen Thema der staatlichen Glücksspielmonopole deutlich gemacht. Während viele Delegierte die Europäische Kommission in ihren Bemühungen unterstützten, den Markt jener EU Mitglieds- staaten zu öffnen, die Staatsmonopole betreiben, gab es auch jene – insbesondere die Niederländer – die sich gegen die Abschaffung derartig lukrativer staatlichen Einnahmequellen aussprachen.

Der erst kürzlich zurückgetretene Geschäftsführer des schwedischen staatlichen Monopolunternehmens Svenske Spel, Jesper Karrbrink, sagte, er sei sicher, dass sich staatliche Monopole in einem unregulierten europäischen Markt erfolgreich im Wettbewerb durchsetzen könnten. Der schwedische Abgeordnete Christopher Fjellner beanstandete die derzeitige rechtliche Unsicherheit, die die Monopolpolitik umgibt, und vertrat die Auffassung, dass das komplexe Wesen der Glücksspielindustrie keine Rechtfertigung zur Erhaltung von Staatsmonopolen sei.

Kurt Schelter, ehemaliger Justizminister und Minister für europäische Angelegenheiten des deutschen Bundeslandes Brandenburg, kritisierte die abwartende Haltung deutscher Politiker und sprach sich für einen zukunftsorientierten staatlichen Ansatz aus, um den laut seiner Charakterisierung „politischen Autismus” zu beenden.

Lediglich Tjeerd Veenstra, Direktor des niederländischen Glücksspielmonopols De Lotto, lehnte eine Neuorientierung ab und betonte, dass das derzeitige (monopolistische) Modell „das beste sei, das es gibt”, da alle Gewinne „dem Allgemeinwohl” der Gesellschaft zugute kämen.

Er schien zuversichtlich, dass sich eine Abstimmung im Europäischen Parlament gegen die Liberalisierung des europäischen Glücksspielmarkts aussprechen würde und dass De Lotto in jedem Verfahren des Europäischen Gerichtshofs gegen die niederländische Regierung stichhaltige Argumente auf seiner Seite hätte.

Die niederländische Regierung könnte wegen seiner ausschließenden Praktiken zugunsten seines staatlichen Glücksspielmonopols De Lotto, wofür die Niederlande von der Europäischen Kommission bereits mehrmals verwarnt wurden, bald vor den Europäischen Gerichtshof zitiert werden. Insbesondere Berichte vergangener Woche, dass die Niederländer ein UIGEA ähnliches Verbot finanzieller Transaktionen beim Internet Glücksspiel plane, deuten auf weitere Konflikte mit der Kommission hin.